Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, verändert sich der Alltag oft über Nacht. Plötzlich stehen Fragen im Raum, die vorher nie wichtig waren: Wo steht das Pflegebett am besten? Wie breit muss die Tür sein? Reicht das Licht nachts für einen sicheren Gang zur Toilette?

Ein gutes Pflegezimmer zu Hause kombiniert ausreichend Bewegungsfläche, ein passendes Pflegebett, rutschfesten Boden, gute Beleuchtung und einen erreichbaren Notruf, damit Pflege zu Hause sicher und wohnlich gleichzeitig funktioniert. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Raum, Ausstattung und Sicherheit so planen, dass sowohl die pflegebedürftige Person als auch die Pflegenden gut durch den Alltag kommen.

Eine ältere Person liegt in einem Pflegebett, während eine Pflegekraft das Zimmer vorbereitet.

Rund 4,96 Millionen Menschen gelten 2024 in Deutschland als pflegebedürftig, 84 Prozent davon werden zu Hause versorgt, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Die Einrichtung eines eigenen Pflegezimmers ist damit für sehr viele Familien ein reales Thema, nicht nur eine theoretische Überlegung.

Welcher Raum eignet sich für die häusliche Pflege?

Der ideale Raum für die häusliche Pflege liegt ebenerdig, nah am Bad und bietet genug Fläche für Pflegebett, Rollstuhl und Hilfsmittel. Ein Zimmer im Erdgeschoss vermeidet Treppen und erleichtert sowohl den Alltag der pflegebedürftigen Person als auch die Arbeit der Pflegenden.

Wie viel Bewegungsfläche brauchen Pflegebett, Rollator und Rollstuhl?

Ein Pflegezimmer braucht laut DIN 18040-2 mindestens 14 Quadratmeter Grundfläche, damit Pflegebett, Rollstuhl-Stellplatz und eine Bewegungsfläche von 1,50 mal 1,50 Metern vor dem Bett Platz finden, wie die DIN-Vorgaben zur barrierefreien Raumplanung festlegen. Für eine rollstuhlgerechte Ausführung empfehlen Wohnberater mindestens 18 Quadratmeter, da dann auch Rangierflächen für einen Patientenlifter und mehrere Hilfsmittel reichen.

Andere Quellen nennen eine Spanne von 15 bis 23 Quadratmetern als ideale Größe, abhängig von Mobilität und Ausstattung. Ein definierter Rollstuhl-Stellplatz von etwa 70 mal 120 Zentimetern gehört fest zur Planung dazu.

Warum sind kurze Wege zum Bad und zum Familienleben wichtig?

Kurze Wege zum Bad reduzieren das Sturzrisiko und erhalten die Selbstständigkeit, solange die pflegebedürftige Person noch mobil ist. Die Nähe zu Wohnzimmer und Küche ermöglicht zudem, dass sie am Familienleben teilhat, statt isoliert zu sein.

Gerade zu Beginn der Pflege ist Mobilität oft noch vorhanden. Später zahlt sich die kurze Distanz aus, etwa wenn ein Ausflug mit dem Rollstuhl ansteht.

Wann sind Türverbreiterung oder Schwellenabbau nötig?

Eine Türverbreiterung wird nötig, sobald Rollstuhl oder Rollator durch eine Standardtür nicht mehr passen. Türen sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein, Schwellen sollten komplett entfallen.

Eine bestehende Tür auf 90 Zentimeter zu verbreitern, kostet je nach Wandaufbau zwischen 1.500 und 3.500 Euro, wie eine Übersicht zu Umbaukosten im Pflegebereich aufzeigt. Bei stärkeren Mobilitätseinschränkungen kommen zusätzlich ein Treppenlift oder ein barrierefreier Badumbau ins Spiel, besonders wenn das Bad im Obergeschoss liegt oder die Dusche nicht ebenerdig erreichbar ist.

Pflegebett, Lagerung und Hilfsmittel passend auswählen

Das Pflegebett bildet den funktionalen Mittelpunkt des Zimmers und sollte so stehen, dass es von allen Seiten zugänglich ist. Ergänzend sorgen Hilfsmittel für Transfer und Lagerung dafür, dass Pflege körperlich machbar bleibt und Druckstellen vermieden werden.

Wo sollte das Pflegebett stehen?

Das Pflegebett steht am besten so, dass die pflegebedürftige Person die Tür im Blick hat und gleichzeitig ein Fenster sieht. Rundherum braucht es ausreichend Platz, damit Pflegehandlungen, ein Lifter oder Gehhilfen ohne Behinderung durchführbar sind, wie ein Ratgeber zur Raumgestaltung für Angehörige beschreibt.

Die Liegehöhe orientiert sich an der Körpergröße: Im Sitzen sollten die Beine den Boden erreichen, das erleichtert Aufstehen und Transfer erheblich.

Wann hilft ein elektrisch verstellbares Pflegebett?

Ein elektrisch verstellbares Pflegebett lohnt sich, sobald häufiges Umlagern, Aufsetzen oder ein rückenschonender Transfer notwendig werden. Elektrische Höhenverstellung und verstellbare Liegeflächen erleichtern sowohl das selbstständige Aufstehen als auch die Arbeit der Pflegenden, wie eine Einordnung zur Pflegebettauswahl darlegt.

Bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse nach §33 SGB V die Mietkosten von 30 bis 60 Euro pro Monat, wenn ein Hausarzt das Bett verordnet, inklusive Wartung und Reparatur. Etwa 67 Prozent aller bettlägerigen Pflegebedürftigen nutzen laut Angaben des GKV-Spitzenverbands ein verordnetes Pflegebett. Wer sich vorab mit den Unterschieden zwischen einem gewöhnlichen Seniorenbett und einem echten Pflegebett vertraut machen möchte, findet das in diesem Vergleich zwischen Seniorenbett und Pflegebett nützlich.

Welche Hilfsmittel erleichtern Transfers und beugen Druckstellen vor?

Ein Patientenlifter erleichtert den Transfer vom Bett in den Rollstuhl oder auf einen Toilettenstuhl erheblich und schont den Rücken der Pflegenden. Lagerungskissen, -rollen und -keile unterstützen eine bequeme Position, verhindern einen Dekubitus jedoch nicht automatisch, wie eine Einordnung zu Lagerungshilfen betont.

Bei erhöhtem Dekubitusrisiko braucht es zusätzlich eine fachlich ausgewählte Antidekubitusmatratze und regelmäßige Hautkontrolle. Eine Übersicht gängiger Pflegehilfsmittel hilft, nichts Wichtiges zu vergessen, etwa in dieser Zusammenstellung zu Pflegehilfsmitteln für zu Hause.

Wie wird das Zimmer sicher und gut beleuchtet?

Sicherheit im Pflegezimmer entsteht durch rutschfesten Boden, mehrstufige Beleuchtung und griffbereite Haltegriffe samt Notruf. Diese drei Elemente zusammen senken das Sturzrisiko deutlich und geben sowohl der pflegebedürftigen Person als auch den Angehörigen mehr Sicherheit im Alltag.

Welcher Bodenbelag ist rutschfest und leicht zu reinigen?

Fliesen, Naturstein, versiegeltes Parkett oder Laminat eignen sich gut, weil sie sich leicht wischen lassen. Teppichboden ist dagegen ungeeignet: Er lässt sich schlecht reinigen, wird bei loser Verlegung schnell zur Stolperfalle und erschwert das Bewegen von Pflegebett und Gehhilfen, wie eine Einschätzung zur Raumgestaltung festhält.

Echtholz-Parkett und Laminat sollten bei Feuchtigkeit sofort getrocknet werden, da sie sonst aufquellen. Fliesen und Linoleum lassen sich zwar besonders leicht reinigen, wirken aber kälter und können rutschig werden.

Welche Beleuchtung hilft tagsüber und nachts?

Gute Beleuchtung senkt laut einer Einschätzung des BBSR das nächtliche Sturzrisiko um bis zu 32 Prozent und zählt damit zu den wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt. Empfohlen werden vier Lichtebenen: Allgemeinlicht mit 200 bis 500 Lux, ein schwenkbares Bettlicht mit eigenem Schalter, ein Bewegungsmelder mit Nachtlicht entlang der Wege sowie kontrastreiche Türrahmen-Beleuchtung für Menschen mit Demenz.

Eine zentrale Bedienung direkt am Bett ist bei eingeschränkter Mobilität unverzichtbar, damit niemand nachts aufstehen muss, um Licht anzuschalten.

Wo gehören Haltegriffe und ein erreichbarer Notruf hin?

Haltegriffe gehören an Übergangsstellen wie Bettkante, Toilette und Dusche, wo das Risiko für Stürze am höchsten ist. Ein Hausnotruf mit Notrufknopf sollte in Reichweite des Betts angebracht sein, damit im Notfall schnell Hilfe gerufen werden kann.

Schon eine einfache Klingel in Bettnähe gibt vielen Senioren das Gefühl, jederzeit Aufmerksamkeit erregen zu können, selbst wenn die Pflegeperson gerade im Nebenraum ist.

Hygiene, Aufbewahrung und Wohnlichkeit im Alltag

Ein funktionales Pflegezimmer braucht durchdachte Aufbewahrung für Pflegeutensilien, leicht zu reinigende Oberflächen und trotzdem Raum für persönliche Gegenstände. Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob sich das Zimmer wie ein Krankenzimmer oder wie ein echtes Zuhause anfühlt.

Wo lassen sich Pflegeutensilien und Medikamente sicher aufbewahren?

Eine Kommode mit greifbarer Ablagehöhe zwischen 70 und 110 Zentimetern bietet Platz für das diskrete Verstauen von Pflegeutensilien und für Medikamente. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wie Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel werden monatlich mit bis zu 42 Euro von der Pflegekasse bezuschusst, wie Angaben zur Kostenübernahme zeigen.

Große Schlafzimmerschränke sind wegen ihres Volumens eher ungeeignet; kompaktere Lösungen lassen mehr Bewegungsfläche übrig.

Wie bleiben Oberflächen und Laufwege leicht zu reinigen?

Glatte, abwischbare Oberflächen und freie Laufwege erleichtern die tägliche Reinigung erheblich. Stolperfallen, die nur der Dekoration dienen, gehören konsequent aus dem Zimmer entfernt oder verstaut.

Echte Zimmerpflanzen sollten eher in Substrat als in Erde stehen, da sich in Erde leichter Keime und Schimmelsporen ansiedeln.

Wie findet auch bei regelmäßiger Unterstützung durch andere das persönliche Leben Platz?

Persönliche Gegenstände wie Fotos, der Lieblingssessel oder vertraute Dekoration erhalten die Wohnlichkeit, auch wenn ambulante Pflege oder eine Betreuungskraft regelmäßig im Zimmer tätig sind. Eine klare räumliche Ordnung, welche Schränke und Bereiche genutzt werden dürfen, verhindert Konflikte, besonders wenn verschiedene Personen die Wohnung betreten, wie ein Ratgeber zur Wohnungsvorbereitung rät.

Wer sich zusätzlich über aktuelle Entwicklungen rund um Pflege in Deutschland informieren möchte, findet einen Überblick in diesem Beitrag zu Pflege in Deutschland.

Was kostet die Einrichtung – und was gehört auf die Checkliste?

Die Gesamtkosten für ein Pflegezimmer liegen zwischen 2.000 Euro für reine Möblierung und 30.000 Euro für eine Komplettrenovierung mit Bauarbeiten. Zuschüsse von Pflegekasse und KfW reduzieren die Eigenbelastung dabei spürbar.

Welche Kosten übernehmen Kranken- und Pflegekasse?

Die Pflegekasse zahlt nach §40 SGB XI bis zu 4.180 Euro pro wohnumfeldverbessernder Maßnahme bei anerkanntem Pflegegrad, wie Angaben zur Förderpraxis zeigen. Das Pflegebett selbst wird in der Regel über die Krankenkasse gemietet und zählt nicht zur Eigenleistung bei Umbaumaßnahmen.

Ein eigenes Pflegezimmer lohnt sich typischerweise ab Pflegegrad 3, wenn die häusliche Pflege länger als sechs Monate dauern soll. Bei Pflegegrad 1 reichen oft punktuelle Anpassungen wie eine Bettverlegung ins Erdgeschoss oder die Anschaffung eines Aufstehsessels.

Welche Zuschüsse gibt es für Anpassungen der Wohnung?

Die KfW fördert barrierereduzierenden Umbau über das Programm 455-B mit bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit. Beide Förderungen lassen sich kombinieren, zusammen sind damit bis zu 10.430 Euro möglich, wie eine Aufstellung der Fördermöglichkeiten aufzeigt.

Wichtig ist, den Antrag vor Beginn der Maßnahme zu stellen. Eine kostenlose Pflegeberatung über den Pflegestützpunkt klärt den individuellen Bedarf und liefert die Empfehlung für den Antrag bei der Pflegekasse. Wer den eigenen Pflegegrad noch nicht kennt, kann ihn vorab mit einem Pflegegradrechner grob einschätzen.

Praktische Checkliste: Raum, Ausstattung und Sicherheit vor dem Einzug prüfen

  • Raumgröße mindestens 14 Quadratmeter, bei Rollstuhlnutzung mindestens 18 Quadratmeter
  • Türbreite mindestens 90 Zentimeter, keine Schwellen
  • Bewegungsfläche von 1,50 mal 1,50 Metern vor dem Bett
  • Rutschfester, abwischbarer Bodenbelag ohne lose Teppiche
  • Vier Lichtebenen inklusive Nachtlicht und zentraler Bedienung am Bett
  • Haltegriffe an Bett, Toilette und Dusche
  • Hausnotruf oder Klingel in Reichweite des Betts
  • Kommode oder Schrank für Pflegeutensilien in greifbarer Höhe
  • Persönliche Gegenstände und vertraute Dekoration einplanen
  • Antrag bei Pflegekasse und KfW vor Beginn der Umbaumaßnahme stellen

Ein sicheres Pflegezimmer bleibt ein Zuhause

Ein durchdachtes Pflegezimmer verbindet Funktionalität mit Vertrautheit: ausreichend Fläche für Pflegebett und Hilfsmittel, rutschfester Boden, gute Beleuchtung und ein erreichbarer Notruf bilden das sicherheitstechnische Grundgerüst. Persönliche Gegenstände, der gewohnte Sessel oder vertraute Fotos sorgen dafür, dass der Raum trotz aller Pflegetechnik nicht steril wirkt.

Die Checkliste hilft dabei, vor dem Einzug nichts Wichtiges zu übersehen, von der Türbreite bis zum Förderantrag. Mit frühzeitiger Pflegeberatung und klarer Planung lässt sich ein Zimmer schaffen, das sowohl der pflegebedürftigen Person als auch den Angehörigen den Alltag spürbar erleichtert.